
4. Kyu · Orange-GrünAshi-waza · Fuß- und BeintechnikenVerbindliche Technik
大外刈
O-soto-gari
Große Außensichel
Wörtlich: Große Außensichel (engl. Kodokan/IJF: „large outer reap“)
- Programm
- Grundprogramm (7.–4. Kyu)
- Reihe
- Fußtechnik
- Kodokan
- Gokyo Dai-ikkyo (1. Gruppe)
Lehrvideo des DJB
Quelle: DJB-Mediathek (DokuMe), verlinkt über den QR-Code auf dem DJB-Plakat.
Technikbeschreibung
O-soto-gari ist der große Sichelwurf nach hinten. Tori bricht Ukes Gleichgewicht nach hinten bzw. zur rechten hinteren Ecke, sodass Ukes Gewicht vor allem auf der rechten Ferse lastet; dazu zieht der Ärmelarm nach unten-außen und der Kragenarm drückt Ukes Oberkörper nach hinten. Laut Kodokan-Definition sichelt Tori Ukes rechtes Bein von außen mit dem rechten Bein und wirft ihn nach hinten. Beim Tsukuri setzt Tori den linken Fuß neben Ukes rechten Fuß, Brust an Brust, und schwingt das rechte Bein nach vorn; beim Kake sichelt es rückwärts in einer großen Bewegung, Wade gegen Wade bzw. Oberschenkel, während Oberkörper und Kopf nach vorn-unten gehen. Der DJB beschreibt die Kodokan-Systematik der vier Sicheltechniken so: Beim „großen“ Sicheln bewegt sich das Wurfbein vom Standbein weg, beim „kleinen“ kreuzt es das Standbein. Typische Anwendung: Uke geht zurück oder steht mit dem Gewicht auf der Ferse, auch als Konter oder in Kombination mit O-uchi-gari und Harai-goshi. Im DJB-Kyu-Programm ist O-soto-gari ab dem 7. Kyu Einstiegstechnik und ab dem 4. Kyu verbindlich.
Schlüsselpunkte, auf die Prüfer achten
- Gleichgewichtsbruch nach hinten bzw. hinten-außen, Ukes Gewicht auf der Ferse
- Eingangsschritt eng neben Ukes Fuß, Brust-an-Brust-Kontakt
- Große, durchgehende Sichelbewegung des gestreckten Beins mit Kontakt Wade/Oberschenkel
- Kopf und Oberkörper gehen beim Kake nach vorn-unten, Standbein bleibt stabil
- Ärmelhand zieht bis zum Ende und kontrolliert Ukes Fall
Typische Fehler
- Wurf ohne Kuzushi: Uke steht noch auf dem ganzen Fuß und blockt
- Zu weit entfernter Eingangsschritt, dadurch keine Körperkontrolle und Kontergefahr (O-soto-gaeshi)
- Bein wird blockierend stehen gelassen statt zu sicheln: die Technik wird zu O-soto-guruma oder O-soto-otoshi
- Oberkörper bleibt aufrecht, Tori kippt mit nach hinten
Sicherheit: Uke fällt mit hoher Dynamik auf den Rücken (Ushiro-ukemi); Tori muss den Ärmel halten und darf Uke nicht auf Kopf oder Nacken ziehen. Der DJB empfiehlt, bei jüngeren Kindern die Wurfdynamik zu reduzieren, zum Beispiel durch Absetzen des Wurfbeins, und zählt O-soto-gari zu den „Einbeintechniken“, die Kinder erst mit ausreichendem Gleichgewicht lernen sollten.
Offizielles Kodokan-Video
Referenzausführung des Kodokan Judo Institute (Tokio), der Ursprungsschule des Judo.
Musterlösungen & Begleitmaterial des DJB
Weitere Lehrvideos aus der DJB-Mediathek, die diese Technik in Anwendungssituationen zeigen.
Pendel-Uchi-komi mit O-soto-gari· Begleitmaterial · © Deutscher Judo-Bund e.V. Geschwindigkeit:
Geschichte & Herkunft
O-soto-gari gehört seit der ersten Gokyo-no-waza von 1895 zur 1. Gruppe (Dai-ikkyo) und blieb auch nach der Revision von 1920 dort. Der Name „大外苅“ erscheint schon in der handschriftlichen Technikliste Jigoro Kanos, die das Kodokan-Museum auf etwa 1886/87 datiert, ebenso in Kanos „Judo zakki“ von 1888. Die Kodokan-Jugendabteilung führt O-soto-gari als Grundtechnik ihres Lehrplans. Im heutigen Spitzenjudo ist die Technik weiterhin wurfentscheidend: Die IJF beschreibt etwa den Olympiasieger Hifumi Abe beim Tokyo Grand Slam 2023, wo er mit seinem „trademark“ O-soto-gari mehrfach Ippon und Waza-ari erzielte.
Zum Jiu-Jitsu-Ursprung der Technik liegt keine belastbare offizielle Quelle vor; belegt sind die Nennung in Kanos frühen Listen und die Gokyo-Zuordnung seit 1895.
Quellen
Nur offizielle Verbandsquellen (Kodokan, IJF, DJB, nationale Verbände).
- Kodokan Definitions of Judo Techniques (Stand 01.10.2022, PDF) – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Offizielle Definition: Sicheln des rechten Beins von außen mit dem rechten Bein, Gleichgewichtsbruch nach hinten
- 柔道 技名称一覧 (Kodokan-Technikliste mit Gokyo-no-waza 1895 und 1920) – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)Belegt: 大外刈 in der Gokyo 1895 (Dai-ikkyo) und 1920 (Dai-ikkyo)
- Motohashi, H.: 嘉納治五郎師範による柔道技名一覧 (Liste der Judo-Techniknamen von Jigoro Kano, Kodokan Judo Museum, 2025, PDF) – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)Belegt: 大外苅 in Kanos handschriftlicher Liste ca. 1886/87 und im Judo zakki 1888
- 講道館少年部 指導内容 (Lehrinhalte der Kodokan-Jugendabteilung) – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)Belegt: O-soto-gari im Lehrplan der Kodokan-Jugendabteilung
- IJF/Kodokan Classification of Judo (IJF Academy Level 1, PDF auf britishjudo.org.uk) – International Judo Federation / British Judo Association (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Beschreibung: Gleichgewichtsbruch nach hinten/hinten rechts, Gewicht auf der rechten Ferse, Sicheln mit dem rechten Bein; Abkürzung OSG
- O-soto-gari – IJF Judo Techniques – International Judo Federation (abgerufen 2026-10-11)Belegt: IJF-Technikseite mit Definition und 3D-Animation
- -66kg: The Return of the King (Tokyo Grand Slam 2023, Callum MacLennan, 03.12.2023) – International Judo Federation (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Hifumi Abe wirft mit seinem „trademark“ O-soto-gari Ippon im Finale und in Runde 2
- Implementierung des Kodokan/IJF-Standards der Nomenklatur von Judotechniken im DJB (Stand 2022, PDF) – Deutscher Judo-Bund (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Kodokan-Systematik der vier Sicheltechniken: außen/innen und Bewegungsrichtung des Wurfbeins (groß = vom Standbein weg)
- Technik-Pools für das Graduierungssystem des DJB (Stand 1. Juni 2022, PDF) – Deutscher Judo-Bund (abgerufen 2026-10-11)Belegt: O-soto-gari als „Einbeintechnik“, die Kinder erst am Ende des ersten Ausbildungsabschnitts lernen sollten
- Anforderungen an Kyu-Grade im DJB (Stand 1. Februar 2024, PDF) – Deutscher Judo-Bund (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Einstiegstechnik ab 7. Kyu mit Hinweis auf reduzierte Wurfdynamik bei Kindern; ab 4. Kyu verbindlich



