
4. Kyu · Orange-GrünKoshi-waza · HüfttechnikenVerbindliche Technik
払腰
Harai-goshi
Hüftfeger
Wörtlich: Hüftfeger / Fege-Hüftwurf (Harai = fegen)
- Programm
- Grundprogramm (7.–4. Kyu)
- Reihe
- Weitere Technik
- Kodokan
- Gokyo Dai-nikyo (2. Gruppe, Fassung 1920)
- Kata
- Nage-no-kata (Koshi-waza, 2. Technik)
Lehrvideo des DJB
Quelle: DJB-Mediathek (DokuMe), verlinkt über den QR-Code auf dem DJB-Plakat.
Technikbeschreibung
Harai-goshi ist eine Hüfttechnik, bei der Tori Ukes Gleichgewicht nach vorn bzw. nach vorn-rechts bricht, ihn an die rechte Hüftseite zieht und Ukes rechten Oberschenkel mit der Rückseite des eigenen rechten Oberschenkels bzw. Beins nach oben wegfegt. Nach Kodokan basiert das Tsukuri auf dem Uki-goshi: Tori dreht ein, legt die Rückseite der Hüfte eng an Ukes Vorderseite und hält Brustkontakt, wobei der Standfuß leicht außerhalb von Ukes Fuß steht; steht er zu weit innen, wird Tori instabil und der Fegebeinschwung schwach. In der Nage-no-kata greift die rechte Hand unter Ukes linker Achsel hindurch auf dessen Schulterblatt, im Wettkampf sind auch Revers-, Gürtel- oder Ärmelgriffe üblich. Im Kake schwingt das rechte Bein nach vorn und fegt Ukes Bein von unterhalb des Knies nach oben, während Tori das Standbein streckt und den Oberkörper nach links dreht; nach IJF-Kata-Kriterien fegt Tori mit gestrecktem Bein. Zug, Eindrehen und Fegen müssen ohne Unterbrechung ineinander übergehen. Im DJB-Grundprogramm ist Harai-goshi eine der drei „Einbeintechniken“ (mit O-soto-gari und Uchi-mata), die wegen der Anforderungen an das Gleichgewicht erst ab dem 5. Kyu eingeführt werden und zum 4. Kyu verbindlich gefordert sind.
Schlüsselpunkte, auf die Prüfer achten
- Kuzushi nach vorn bzw. vorn-rechts, Uke auf die Zehenspitzen (Hebe- und Zugarm)
- Eindrehen wie Uki-goshi: Rückseite der Hüfte eng an Ukes Vorderseite, Brustkontakt
- Standfuß leicht außerhalb von Ukes Fuß, Standbein stabil und beim Wurf gestreckt
- Fegebein gestreckt, fegt Ukes Oberschenkel von unterhalb des Knies nach oben
- Zug, Eindrehen und Fegen in einer durchgehenden Bewegung mit Körperdrehung
- Kontrollierte Landung: Tori hält den Ärmel, bleibt auf dem Standbein stabil
Typische Fehler
- Standfuß zu weit innen zwischen Ukes Füßen: Instabilität und schwacher Fegebeinschwung
- Fegen ohne vorheriges Kuzushi, Uke steht stabil und blockt
- Hüfte und Brust nicht eng an Uke, Lücke beim Fegen
- Fegebein gebeugt oder nur „gehakt“ statt gestreckt nach oben gefegt
Sicherheit: Harai-goshi ist eine Einbeintechnik mit hohen Anforderungen an das Gleichgewicht; der DJB empfiehlt, sie insbesondere Kindern erst am Ende des ersten Ausbildungsabschnitts bei ausreichenden Gleichgewichtsfähigkeiten zu vermitteln. Uke benötigt eine sichere Mae-/Yoko-ukemi, Tori hält den Ärmel bis zur Landung und darf nicht auf Uke fallen.
Offizielles Kodokan-Video
Referenzausführung des Kodokan Judo Institute (Tokio), der Ursprungsschule des Judo.
Geschichte & Herkunft
Harai-goshi erscheint bereits in Jigoro Kanos handschriftlicher Techniknamensliste aus der Frühzeit des Kodokan (ca. 1886/87) unter der Schreibweise 掃腰 und in seinem „Judo Zakki“ (1888). Nach Kanos eigenen Darstellungen (Kodokan-Judo-Vorlesungen 1901, Judo-Lehrbuch 1931), die die Kodokan-Technikseite wiedergibt, entstand Harai-goshi aus dem Uki-goshi: Sein Schüler Shiro Saigo lernte, Kanos Uki-goshi durch einen Schritt zur Seite und nach vorn zu entgehen, worauf Kano das entweichende Bein mit dem eigenen Bein blockierte und wegfegte. In der Gokyo-no-waza von 1895 stand Harai-goshi in der dritten Gruppe (Dai-sankyo), seit 1920 in der zweiten Gruppe (Dai-nikyo). Er ist die zweite Technik der Koshi-waza-Gruppe der Nage-no-kata und steht im Lehrplan der Kodokan-Kinderabteilung. Die IJF führt Harai-goshi auf ihrer Technikdatenbank unter den Techniken des mehrfachen Olympiasiegers Teddy Riner.
Quellen
Nur offizielle Verbandsquellen (Kodokan, IJF, DJB, nationale Verbände).
- Kodokan Definitions of Judo Techniques (01.10.2022) – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Offizielle Kodokan-Definition: Uke mit dem rechten Bein hochfegen, Gleichgewichtsbruch nach vorn, Uke auf die rechte Hüftseite laden
- Harai-goshi (Koshi-waza), Kodokan-Technikseite (japanisch) – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Ablauf Kuzushi/Tsukuri/Kake, Standfußposition, Tsukuri basiert auf Uki-goshi, Entstehungsgeschichte mit Shiro Saigo (Kano 1901/1931), Griffvarianten im Wettkampf
- Names of Judo Techniques (inkl. Gokyo-no-waza 1895 und 1920) – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Gokyo-no-waza 1895: Harai-goshi in Dai-sankyo; Gokyo-no-waza 1920: Harai-goshi in Dai-nikyo
- Names of Judo Techniques (100 Techniken, Stand 1.4.2017) – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Kanji, offizielle Schreibweise und Zuordnung zur Gruppe (Te-waza bzw. Koshi-waza) in der aktuellen Kodokan-Liste
- Liste der Judo-Techniknamen von Jigoro Kano (Kodokan-Judo-Museum, Bulletin Nr. 20, 2025) – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Harai-goshi (掃腰/払腰) in Kanos Techniknamensliste ca. 1886/87 und im „Judo Zakki“ 1888
- Kodokan Shonen-bu (Kinderabteilung): Unterrichtsinhalte – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Harai-goshi im Lehrplan der Kodokan-Kinderabteilung
- Nage-no-kata (Kodokan Global) – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Harai-goshi als Koshi-waza der Nage-no-kata
- Kodokan Kata Textbook: Nage-no-kata (offizielle englische Übersetzung, 2014; gehostet von der IJF) – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Ablauf des Harai-goshi in der Nage-no-kata: Griff unter Ukes Achsel zum Schulterblatt, Hüfte an Ukes Bauch, Fegen nach oben
- Kata Competition Criteria for the Evaluation (IJF Kata Commission, Januar 2025) – International Judo Federation (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Bewertungskriterien Nage-no-kata Harai-goshi: Griffwechsel zum Schulterblatt, Tsukuri im dritten Schritt, Fegen mit gestrecktem Bein
- IJF Judo Techniques: Harai-goshi – International Judo Federation (abgerufen 2026-10-11)Belegt: IJF-Beschreibung und Übersetzung „hip sweep“: Uke an die Hüfte ziehen, rechten Oberschenkel mit der Rückseite des rechten Oberschenkels fegen
- Harai-goshi by RINER Teddy (IJF Judo Techniques) – International Judo Federation (abgerufen 2026-10-11)Belegt: IJF-Technikdatenbank führt Harai-goshi unter den Techniken von Teddy Riner
- IJF/Kodokan Classification of Judo (IJF Academy, gehostet von British Judo) – International Judo Federation / British Judo Association (abgerufen 2026-10-11)Belegt: IJF-Academy-Beschreibung von Harai-goshi (Nr. 206)
- Anforderungen an Kyu-Grade im DJB (Stand 17. Februar 2025) – Deutscher Judo-Bund (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Harai-goshi im DJB-Grundprogramm, Einführung ab 5. Kyu, zum 4. Kyu verbindlich (mit O-soto-gari und Uchi-mata)
- Technik-Pools für das Graduierungssystem des DJB (Stand 1. Juni 2022) – Deutscher Judo-Bund (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Einbeintechniken O-soto-gari, Harai-goshi, Uchi-mata sollen Kindern erst am Ende des ersten Ausbildungsabschnitts vermittelt werden



