Illustration der Judo-Technik Morote-seoi-nage (Beidhändiger Schulterwurf)

7. Kyu · GelbTe-waza · Hand- und Armtechniken

背負投

Morote-seoi-nage

Beidhändiger Schulterwurf

Wörtlich: Schulterwurf (wörtlich: auf dem Rücken tragen und werfen); „Morote“ = beidhändig

Programm
Grundprogramm (7.–4. Kyu)
Reihe
Eindrehtechnik zur Hauptseite
Kodokan
Gokyo Dai-ikkyo (1. Gruppe, Fassung 1920)
Kata
Nage-no-kata (Te-waza, 2. Technik), Kime-no-kata (Ushiro-dori)

Lehrvideo des DJB

Morote-seoi-nage· Grundprogramm Stand · © Deutscher Judo-Bund e.V. · Video ohne Ton
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Quelle: DJB-Mediathek (DokuMe), verlinkt über den QR-Code auf dem DJB-Plakat.

Technikbeschreibung

Seoi-nage ist eine Handtechnik, bei der Tori Uke nach vorn bzw. nach vorn-rechts aus dem Gleichgewicht bringt, ihn auf den Rücken lädt und über die rechte Schulter wirft. Laut Kodokan-Definition wird dabei der rechte Ellbogen unter Ukes rechte Achsel geschoben, während beide Hände am Judogi greifen; diese beidhändige Form (Morote-seoi-nage, auch Eri-seoi) ist das, was der Kodokan allgemein unter „Seoi-nage“ versteht. Im Tsukuri setzt Tori den rechten Fuß vor Ukes rechten Fuß, beugt beide Knie, dreht auf dem rechten Fußballen nach links ein und bringt den linken Fuß vor Ukes linken Fuß, sodass Toris Rücken fest an Ukes Brust und Bauch liegt. Der rechte Ellbogen wird dabei gebeugt und unter Ukes rechter Achsel platziert, Ukes rechter Arm wird mit beiden Händen nach unten gezogen und am Körper fixiert. Im Kake zieht Tori mit beiden Händen, beugt den Oberkörper nach vorn und streckt die Knie, sodass Uke über die rechte Schulter rotiert und fällt. Typische Anwendungssituation nach DJB ist ein Uke, der nach vorn kommt oder drückt; im DJB-Grundprogramm zählt Seoi-nage zu den Eindrehtechniken, die ab dem 7. Kyu zur Haupt- und Gegenseite gelernt werden.

Schlüsselpunkte, auf die Prüfer achten

  • Kuzushi nach vorn bzw. vorn-rechts, bevor eingedreht wird (Uke auf die Zehenspitzen bringen)
  • Tiefes Beugen beider Knie beim Eindrehen; Hüfte unter Ukes Schwerpunkt
  • Rechter Ellbogen gebeugt unter Ukes rechter Achsel, Ukes Arm mit beiden Händen eng am Körper fixiert
  • Enger Rücken-Brust-Kontakt zu Uke ohne Lücke
  • Wurf durch Strecken der Knie, Vorbeugen des Oberkörpers und Zug beider Hände nach vorn unten
  • Prüfung im DJB: Ausführung zur Haupt- und zur Gegenseite als Eindrehtechnik

Typische Fehler

  • Eindrehen ohne vorheriges Kuzushi: Uke steht noch stabil und blockt den Wurf
  • Hüfte nicht tief genug, Lücke zwischen Toris Rücken und Ukes Körper
  • Ellbogen rutscht aus der Achsel, Ukes Arm wird nicht am Körper fixiert
  • Werfen allein aus dem Rücken statt durch Streckung der Beine

Sicherheit: Uke fällt vorwärts über Toris Schulter und benötigt eine sichere Mae-ukemi (Rolle vorwärts bzw. Fall vorwärts); Tori muss Ukes Ärmelarm bis zur Landung halten. Mit beiden Knien auf die Matte fallende Varianten gelten nach Kodokan als Seoi-otoshi und sind nicht Gegenstand des Grundprogramms.

Offizielles Kodokan-Video

Referenzausführung des Kodokan Judo Institute (Tokio), der Ursprungsschule des Judo.

Morote-seoi-nage (背負投) · Offizielles Video des Kodokan Judo Institute, verlinkt auf der Kodokan-Technikliste.Beim Laden wird eine Verbindung zu YouTube (Google) aufgebaut.

Musterlösungen & Begleitmaterial des DJB

Weitere Lehrvideos aus der DJB-Mediathek, die diese Technik in Anwendungssituationen zeigen.

  • Pendel-Uchi-komi mit Seoi-nage· Begleitmaterial · © Deutscher Judo-Bund e.V.
    Geschwindigkeit:

Geschichte & Herkunft

Seoi-nage findet sich bereits in Jigoro Kanos handschriftlicher Techniknamensliste aus der Frühzeit des Kodokan (ca. 1886/87), die das Kodokan-Judo-Museum 2025 veröffentlicht hat. In der ersten Gokyo-no-waza von 1895 stand Seoi-nage in der zweiten Gruppe (Dai-nikyo); seit der Überarbeitung von 1920 gehört er zur ersten Gruppe (Dai-ikkyo). Er ist die zweite Technik der Te-waza-Gruppe der Nage-no-kata und kommt zudem in der Kime-no-kata (Ushiro-dori) vor. Der Kodokan entschied laut seiner Technikseite, die einrollende Variante nicht als eigene Technik „Seoi-makikomi“ zu benennen, sondern als Anwendung des Seoi-nage zu führen. Der DJB stellt klar, dass „Seoi-nage“ seit der Festlegung von Ippon-seoi-nage als eigenständiger Name (1997) diesen nicht mehr mit umfasst; der Zusatz „Morote“ ist kontextabhängig möglich. Tadahiro Nomura, dreifacher Olympiasieger (1996, 2000, 2004, -60 kg), nennt laut IJF Seoi-nage seine Spezialtechnik.

Eine Herleitung aus einer bestimmten Jiu-Jitsu-Schule ist auf den zulässigen Seiten nicht belegt und wurde daher weggelassen.

Quellen

Nur offizielle Verbandsquellen (Kodokan, IJF, DJB, nationale Verbände).

  1. Kodokan Definitions of Judo Techniques (01.10.2022) – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: Offizielle Kodokan-Definition von Seoi-nage (Gleichgewichtsbruch nach vorn, rechter Ellbogen unter Ukes rechter Achsel, Wurf über die rechte Schulter)
  2. Seoi-nage (Te-waza), Kodokan-Technikseite (japanisch) – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: Ablauf Kuzushi/Tsukuri/Kake, beidhändige Form = Seoi-nage (Eri-seoi), Varianten, Entscheidung zu Seoi-makikomi
  3. Seoi-Nage (hand technique), Kodokan Global – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: Englische Kodokan-Beschreibung: Morote-seoi-nage (Eri-seoi) wird allgemein als Seoi-nage bezeichnet; Ablauf des Wurfs
  4. Names of Judo Techniques (inkl. Gokyo-no-waza 1895 und 1920) – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: Gokyo-no-waza 1895: Seoi-nage in Dai-nikyo; Gokyo-no-waza 1920: Seoi-nage in Dai-ikkyo
  5. Names of Judo Techniques (100 Techniken, Stand 1.4.2017) – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: Kanji, offizielle Schreibweise und Zuordnung zur Gruppe (Te-waza bzw. Koshi-waza) in der aktuellen Kodokan-Liste
  6. Liste der Judo-Techniknamen von Jigoro Kano (Kodokan-Judo-Museum, Bulletin Nr. 20, 2025) – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: Seoi-nage (背負投) in Kanos Techniknamensliste ca. 1886/87
  7. Kodokan Kata Textbook: Nage-no-kata (offizielle englische Übersetzung, 2014; gehostet von der IJF) – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: Seoi-nage als 2. Technik der Te-waza-Gruppe der Nage-no-kata; Ablauf in der Kata
  8. Kata Competition Criteria for the Evaluation (IJF Kata Commission, Januar 2025) – International Judo Federation (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: Bewertungskriterien Nage-no-kata (Seoi-nage) und Kime-no-kata (Ushiro-dori: Wurf mit Seoi-nage); Hinweis, dass eine schlechte Ausführung zu Seoi-otoshi/Ippon-seoi-nage wird
  9. IJF Judo Techniques: Seoi-nage – International Judo Federation (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: IJF-Beschreibung und Übersetzung „shoulder throw“, Einordnung Te-waza
  10. IJF/Kodokan Classification of Judo (IJF Academy, gehostet von British Judo) – International Judo Federation / British Judo Association (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: IJF-Academy-Beschreibung von Seoi-nage (Nr. 101)
  11. Nomura: I Want to Learn More – International Judo Federation (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: Nomura bezeichnet Seoi-nage als seine Spezialtechnik; drei Olympiasiege 1996, 2000, 2004 (-60 kg)
  12. Anforderungen an Kyu-Grade im DJB (Stand 17. Februar 2025) – Deutscher Judo-Bund (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: (Morote-)Seoi-nage im DJB-Grundprogramm (Te-waza), geeignete Eindrehtechnik ab 7. Kyu
  13. Technik-Pools für das Graduierungssystem des DJB (Stand 1. Juni 2022) – Deutscher Judo-Bund (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: Zuordnung zum Grundprogramm; Kampfsituation „Uke kommt vor“; Differenzierung Seoi-nage/Ippon-seoi-nage
  14. Nomenklatur von Judotechniken im DJB (Stand 1. Juli 2022) – Deutscher Judo-Bund (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: Seoi-nage umfasst seit 1997 nicht mehr Ippon-seoi-nage; „Morote“ als kontextabhängiger Zusatz

Weitere Techniken dieser Gruppe


Inhalte nach dem Kyu-Graduierungssystem des Deutschen Judo-Bundes e.V. (Plakate, Stand 2024). Videos und Illustrationen: © Deutscher Judo-Bund e.V., eingebunden zu Lernzwecken.

Beschreibungen und Geschichte stützen sich ausschließlich auf offizielle Quellen (Kodokan, IJF, DJB und nationale Verbände). Die Quellen stehen auf jeder Technikseite.

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