
2. Kyu · BlauShime-waza · WürgetechnikenVerbindliche Technik
逆十字絞
Gyaku-juji-jime
Umgekehrtes Kreuzwürgen
Wörtlich: Umgekehrtes Kreuzwürgen (gyaku = umgekehrt, jūji = Kreuz, jime/shime = Würgen)
- Programm
- Erweiterungsprogramm (3.–1. Kyu)
- Kodokan
- Kodokan-Technikliste 2017: Shime-waza Nr. 2 von 12; Kodokan-Dan-Prüfungstext: Stoff für den 2. Dan
- Kata
- Katame-no-kata (Shime-waza, 5. Technik)
Lehrvideo des DJB
Quelle: DJB-Mediathek (DokuMe), verlinkt über den QR-Code auf dem DJB-Plakat.
Technikbeschreibung
Gyaku-juji-jime wird von vorne angesetzt, typischerweise aus der Oberlage, wenn Uke auf dem Rücken liegt und Tori rittlings über ihm kniet und seinen Körper mit beiden Beinen kontrolliert. Tori greift mit der einen Hand tief in Ukes gegenüberliegenden Seitenkragen, die vier Finger innen und die Handfläche nach oben, und führt die zweite Hand über das erste Handgelenk hinweg ebenso mit den vier Fingern innen tief in den anderen Seitenkragen, sodass sich die Handgelenke vor dem Hals kreuzen. Die Würgewirkung entsteht laut Kodokan-Definition durch das Anziehen der Arme: Tori beugt den Oberkörper über Uke und zieht beide Hände zu sich, wodurch die Kragenkanten seitlich gegen den Hals gepresst werden. In der Katame-no-kata wehrt Uke ab, indem er Toris Ellbogen wegdrückt; Tori nutzt das, rollt sich zur Seite, hält Uke mit beiden Beinen (Füße gekreuzt) und zieht das Würgen aus der Unterlage weiter an. Der Griff wird tief und ruhig gesetzt, die Technik langsam zugezogen und beim Abklopfen sofort gelöst.
Schlüsselpunkte, auf die Prüfer achten
- Beide Hände mit den vier Fingern innen (Handflächen nach oben) tief im Seitenkragen, Handgelenke gekreuzt – das unterscheidet Gyaku-juji-jime von Nami-juji-jime (Daumen innen) und Kata-juji-jime (gemischt).
- Wirkung durch Anziehen der Arme und Vorbeugen des Oberkörpers, nicht durch Stoßen gegen den Hals.
- Uke wird rittlings mit beiden Beinen kontrolliert, damit er nicht ausweichen kann.
- Bei Abwehr: zur Seite rollen, Beine schließen und aus der Unterlage weiter anziehen (Ablauf der Katame-no-kata).
- Sofortiges und vollständiges Lösen beim Abklopfen oder „Maitta“.
Typische Fehler
- Griff zu flach im Kragen, dadurch keine Wirkung (Kodokan-Kata-Text verlangt „deeply“, tiefen Griff).
- Daumen statt Finger innen – dann ist es eine andere Technik (Nami- bzw. Kata-juji-jime).
- Würgen allein aus den Armen ohne Einsatz von Oberkörper und Beinen.
Sicherheit: Nur unter Aufsicht einer Trainerin oder eines Trainers üben, langsam und kontrolliert ansetzen und beim Abklopfen (zweimal mit Hand oder Fuß) oder „Maitta“ sofort vollständig lösen. Niemals bis zur Bewusstlosigkeit würgen; wer durch Shime-waza bewusstlos wird, darf laut DJB an diesem Tag nicht mehr kämpfen. Im DJB-Wettkampf sind Würgetechniken in der U11, U13 und U15 verboten.
Offizielles Kodokan-Video
Referenzausführung des Kodokan Judo Institute (Tokio), der Ursprungsschule des Judo.
Geschichte & Herkunft
Gyaku-juji-jime gehört zu den zwölf Shime-waza der offiziellen Kodokan-Technikliste („Names of Judo Techniques“, Stand 1. April 2017) und ist die fünfte und letzte Technik der Shime-waza-Gruppe der Katame-no-kata. Die Katame-no-kata wurde nach Angaben des Kodokan in den ersten Jahren nach der Gründung des Kodokan (1882) zusammen mit der Nage-no-kata festgelegt; das Kodokan-Kata-Lehrbuch nennt „um 1885 bis 1886“, der Kodokan-Dan-Prüfungstext „um Meiji 17/18“ (1884/85). Die Kata bestand zunächst aus zehn und später aus fünfzehn Techniken. Im Kodokan-Dan-Prüfungstext ist Gyaku-juji-jime dem Stoff für den 2. Dan zugeordnet.
Ob die Technik bereits zur ursprünglichen Zehner-Fassung der Katame-no-kata gehörte und wann sie vom Kodokan offiziell benannt wurde, ist in den zulässigen Quellen nicht belegt; die Kodokan-Quellen nennen für die Entstehung der Kata leicht abweichende Jahre (1884/85 bzw. 1885/86).
Quellen
Nur offizielle Verbandsquellen (Kodokan, IJF, DJB, nationale Verbände).
- Names of Judo Techniques (柔道の技名称 100本), Stand 1. April 2017 – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Offizielle Kodokan-Technikliste: 12 Shime-waza innerhalb der 32 Katame-waza; diese Technik ist Nr. 2 der Shime-waza-Liste, Schreibweise und Kanji.
- Kodokan Definitions of Judo Techniques, 01.10.2022 – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Offizielle englische Kodokan-Definition der Technik: von vorne, Handgelenke gekreuzt, beide Seitenkragen mit den vier Fingern innen gegriffen, Würgen durch Anziehen der Arme.
- Kodokan KATA Textbook: Katame-no-Kata (offizielle englische Übersetzung, Copyright 2014; Fassung angenommen 10.04.1960, geändert 01.02.2006) – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Detaillierter Ablauf als 5. Shime-waza der Katame-no-kata (tiefer Griff, rittlings, Rollen zur Seite bei Abwehr, Lösen bei „Mairi“); Entstehung der Kata um 1885/86, zunächst 10, später 15 Techniken.
- 講道館 固の形 (Katame-no-kata, Technikliste) – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Reihenfolge der fünf Shime-waza der Katame-no-kata: Kata-juji-jime, Hadaka-jime, Okuri-eri-jime, Kataha-jime, Gyaku-juji-jime.
- 昇段試験用テキスト「講道館柔道」(Kodokan-Text für Dan-Prüfungen, Fassung 19.06.2026) – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Japanische Kodokan-Definition (逆十字絞) und Zuordnung zum Stoff des 2. Dan; Katame-no-kata um Meiji 17/18 mit Nage-no-kata festgelegt.
- 講道館 柔道 技名称一覧 (Technikliste mit offiziellen Kodokan-Videos) – Kodokan Judo Institute (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Gliederung Katame-waza 32 = Osaekomi 10 / Shime 12 / Kansetsu 10; Kanji, Lesung und Link zum offiziellen Kodokan-Video der Technik; Hinweis auf Gokyo 1895 (42 Würfe) und Revision 1920 (40 Würfe).
- IJF Judo Techniques: Gyaku-juji-jime – International Judo Federation (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Englische Bezeichnung „reverse cross strangle“, Kanji 逆十字絞, Finger der gekreuzten Hände innen in beiden Revers, Druck auf beide Halsseiten.
- Katame-no-kata: The Laboratory of Groundwork – International Judo Federation (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Katame-no-kata um 1885/86 am Kodokan festgelegt, zunächst 10, später 15 Techniken; Shime-waza-Gruppe; „A strangulation is not a demonstration of force“.
- Anforderungen an Kyu-Grade im DJB (Stand 17. Februar 2025) – Deutscher Judo-Bund (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Gyaku-juji-jime ist Würgetechnik des Grundprogramms (Jugendliche/Erwachsene; für Kinder im Erweiterungsprogramm) und beim 2. Kyu obligatorisch.
- Kampfregeln des Deutschen Judo-Bund e.V. auf Grundlage der IJF-Regeln, Stand Februar 2025 – Deutscher Judo-Bund (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Ippon in Ne-waza bei Aufgabe durch zweimaliges Abschlagen mit Hand oder Fuß oder „Maita“ sowie bei Kampfunfähigkeit; DJB-Zusatz: wer bewusstlos gewürgt wurde, darf am selben Tag nicht mehr kämpfen (alle Altersklassen); 3.12.3: in U11, U13 und U15 sind alle Würgetechniken verboten; 3.12.8.2: unterhalb U18 Shime-waza im Stand mit Wurf = Hansoku-make und Turnierausschluss.



