Rei – Etikette und Begrüßung 礼

Gruß, Verbeugung, Höflichkeit / Etikette

Rei bezeichnet im Kodokan-Verständnis die innere Haltung: Auf der Grundlage von Bescheidenheit, die aus der Achtung vor den Gefühlen anderer entsteht, sollen gegenseitiger Respekt und Vertrauen aufgebaut, gute Beziehungen gepflegt und eine Ordnung des Miteinanders bewahrt werden. Die äußere Form dieser Haltung heißt Reiho. Der Gruß gilt den Lehrenden, den Übungspartnern und Mitübenden, dem Dojo und allen dort Anwesenden, also allem, was das Üben zu zweit überhaupt ermöglicht. Es gibt zwei Formen: Zarei, der Gruß im Kniesitz (Seiza), und Ritsurei, der Gruß im Stand. Beim Zarei setzt man sich in Seiza dem Gegenüber zugewandt, legt beide Hände etwa zwei Faustbreiten vor den Knien mit leicht nach innen gerichteten Fingern auf die Matte (Zeigefinger etwa 6 cm auseinander, Ellbogen nicht abgespreizt) und neigt den Oberkörper, bis die Stirn etwa 30 cm über den Händen ist. Beim Ritsurei steht man aufrecht, lässt die Hände an den Oberschenkeln bis etwa eine Faustbreite über die Kniescheiben gleiten und neigt den Oberkörper etwa 30 Grad nach vorn. Zur Dojo-Etikette des Kodokan gehören: in ordentlicher Kleidung und aufrechter Haltung beim Betreten und Verlassen des Dojo im Stand grüßen, im Dojo ruhig sein, Lehrenden und Älteren Respekt erweisen, beim Üben und im Wettkampf einen korrekten Gruß zeigen, der Dankbarkeit und Rücksicht ausdrückt (auch gegenüber dem Dojo), dem Ehrenplatz (Joseki) nicht den Rücken zuwenden, im Seiza sitzen und sich im Dojo nicht entkleiden. Im Wettkampf regeln die DJB-Kampfregeln (auf Grundlage der IJF-Regeln): Die Verbeugung beim Betreten und Verlassen der Wettkampffläche ist freigestellt; auf das Zeichen des Kampfrichters gehen die Athleten zu ihrer Ausgangsposition, verbeugen sich gleichzeitig zueinander und treten mit dem linken Fuß einen Schritt vor; nach der Ergebnisverkündung treten sie mit dem rechten Fuß zurück und verbeugen sich; Händeschütteln vor dem Kampf ist nicht erlaubt; eine fehlende oder falsche Verbeugung lässt der Kampfrichter korrekt wiederholen. Der DJB verbindet die Begrüßung ausdrücklich mit den Judo-Werten Respekt, Wertschätzung, Höflichkeit und Ernsthaftigkeit.

  • Rei = innere Haltung aus Respekt, Vertrauen und Bescheidenheit; Reiho = die äußere Form (Kodokan).
  • Zwei Formen: Zarei (坐礼, im Kniesitz) und Ritsurei (立礼, im Stand).
  • Ritsurei: aufrecht stehen, Hände gleiten bis knapp über die Kniescheiben, Oberkörper ca. 30 Grad neigen (Kodokan).
  • Zarei: Seiza, Hände ca. zwei Faustbreiten vor den Knien, Zeigefinger ca. 6 cm auseinander, Stirn ca. 30 cm über den Händen (Kodokan).
  • Gegrüßt wird beim Betreten und Verlassen des Dojo, vor und nach dem Üben und im Wettkampf (Kodokan-Verhaltensregeln).
  • Dojo-Etikette nach Kodokan: Ruhe im Dojo, Respekt vor Lehrenden und Älteren, Gruß auch gegenüber dem Dojo, dem Joseki nicht den Rücken zuwenden, im Seiza sitzen.
  • Kano: „Alles, was die Haltung des Herzens betrifft, folgt der äußeren Form“ (1899); Etikette „beruhigt den Menschen und bewahrt vor Unbesonnenheit“ (1920).
  • Wettkampf (DJB/IJF): Verbeugung zueinander auf Zeichen des Kampfrichters, Schritt vor mit links, nach dem Ergebnis Schritt zurück mit rechts und Verbeugung; kein Händeschütteln vor dem Kampf.
  • Mannschaftskämpfe: Der Kampfrichter ruft „Rei“, beide Mannschaften verbeugen sich gleichzeitig (DJB-Kampfregeln).
  • DJB 8. Kyu: „Durch die Begrüßung werden die Judo-Werte wie Respekt, Wertschätzung, Höflichkeit und Ernsthaftigkeit verdeutlicht und verinnerlicht.“
  • DJB-Kyu-Programm: Einhalten von Etikette, Hygiene und Ordnungsrahmen im Dojo ist Sozialkompetenz der Niveaustufe 1 (bis 4. Kyu).

Sicherheit: Der Gruß ist nach Kodokan Ausdruck gegenseitiger Achtung und Rücksicht und damit Teil der Vereinbarung, im Üben auf die Unversehrtheit des Partners zu achten: Randori wird nur „ohne den Geist des Rei zu vernachlässigen und unter der Bedingung, dass man sich gegenseitig nicht verletzt“ geübt. Kano zufolge bewahrt die Etikette vor Unbesonnenheit.

Geschichte & Hintergrund

Kano Jigoro betonte die Etikette in mehreren Schriften: 1899 („Alles, was die Haltung des Herzens betrifft, folgt der äußeren Form“) und 1920 („Anstand und Etikette beruhigen den Menschen und bewahren vor Unbesonnenheit“). Die Verhaltensregeln für Judoka (柔道を習う者の心得) und die Beschreibung von Zarei und Ritsurei sind bis heute Bestandteil des offiziellen Kodokan-Lehrtextes für Dan-Prüfungen.

Die Kano-Zitate stammen aus dem Kodokan-Lehrtext (dort mit Quellenangabe „国士“ 1899 und „有効乃活動“ 1920) und wurden aus dem Japanischen sinngemäß übersetzt.

Quellen

Nur offizielle Verbandsquellen (Kodokan, IJF, DJB, nationale Verbände).

  1. 昇段試験用テキスト「講道館柔道」(Kodokan-Lehrtext für Dan-Prüfungen, Fassung 19.06.2026), Kapitel 1.6 „柔道を習う者の心得“ und 1.7 „礼の心と礼法について“ – Kodokan Judo Institute (公益財団法人講道館) (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: Bedeutung von Rei und Reiho, Ausführung von Zarei und Ritsurei (Maße, 30 Grad), Dojo-Verhaltensregeln, Kano-Zitate 1899/1920, Randori-Bedingung „Geist des Rei, keine Verletzung“.
  2. Kampfregeln des Deutschen Judo-Bund e.V. auf der Grundlage der IJF-Regeln, Stand März 2026 (Art. 4, 9, 13, Mannschaftskämpfe, Glossar) – Deutscher Judo-Bund e.V. (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: Verbeugungsablauf im Wettkampf (Schritt vor mit links, zurück mit rechts), Verbeugung beim Betreten freigestellt, kein Händeschütteln, Korrektur falscher Verbeugung, „Rei“-Kommando bei Mannschaftskämpfen, Glossar „Rei – Gruß, Verbeugung“.
  3. IJF Sport and Organisation Rules – Refereeing Rules, Version 21.01.2026 (Article 9 Start of the Contest) – International Judo Federation (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: Englischer Originaltext zum Bowing-Ablauf: bow simultaneously, step forward from the left foot, step back from the right foot, no handshake, referee directs athletes to bow correctly.
  4. Plakat Kyu-Graduierungssystem 8. Kyu (weiß-gelb) – Deutscher Judo-Bund e.V. (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: „Rei – die Begrüßung: Durch die Begrüßung werden die Judo-Werte wie Respekt, Wertschätzung, Höflichkeit und Ernsthaftigkeit verdeutlicht und verinnerlicht.“
  5. Anforderungen für Kyu-Grade im DJB (Stand 17. Februar 2025, V2) – Deutscher Judo-Bund e.V. (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: 8. Kyu: „Judo-Werte und die Einhaltung von Etikette … allgegenwärtig und unerlässlich“; Niveaustufe 1 Sozialkompetenz: Etikette, Hygiene, Ordnungsrahmen im Dojo.
  6. Judowerte – Höflichkeit – Deutscher Judo-Bund e.V. (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: Höflichkeit: Trainingspartner und Wettkampfgegner wie Freunde behandeln und Respekt durch eine ordentliche Verbeugung zeigen.

Inhalte nach dem Kyu-Graduierungssystem des Deutschen Judo-Bundes e.V. (Plakate, Stand 2024). Videos und Illustrationen: © Deutscher Judo-Bund e.V., eingebunden zu Lernzwecken.

Beschreibungen und Geschichte stützen sich ausschließlich auf offizielle Quellen (Kodokan, IJF, DJB und nationale Verbände). Die Quellen stehen auf jeder Technikseite.

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