Die Judo-Werte des DJB 精力善用 ・ 自他共栄
Seiryoku-zenyo: bester Einsatz der Kräfte von Körper und Geist; Jita-kyoei: gemeinsames Wohlergehen von sich selbst und anderen
Der Deutsche Judo-Bund hat zehn Judowerte formuliert: Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit, Ernsthaftigkeit, Respekt, Bescheidenheit, Wertschätzung, Mut, Selbstbeherrschung und Freundschaft. Jeder Wert ist auf judobund.de mit einer kurzen Handlungsanweisung erläutert, etwa „Behandle deine Trainingspartner und Wettkampfgegner wie Freunde“ (Höflichkeit), „Sei ein guter Uke“ (Hilfsbereitschaft) oder „Kämpfe fair, ohne unsportliche Handlungen und ohne Hintergedanken“ (Ehrlichkeit). Freundschaft gilt als Ergebnis: Wer die übrigen Werte lebt und alle Menschen achtet, findet im Judo von selbst Freunde. Im DJB-Kyu-Programm sind die Werte Teil der Ausbildung und Voraussetzung für Graduierungen: Bis zum 4. Kyu sollen Judoka die Bedeutung der Werte anhand einfacher Beispiele beschreiben, vom 3. bis 1. Kyu typische Transfersituationen im Judo und im Alltag. Schon für den 8. Kyu gilt, dass Judo-Werte und die sie repräsentierende Etikette „allgegenwärtig und unerlässlich“ sind. Grundlage der Werte im Judo sind die beiden Prinzipien Kano Jigoros: Seiryoku-zenyo (精力善用) und Jita-kyoei (自他共栄). Nach dem Kodokan-Lehrtext verkündete Kano sie 1922 bei Gründung der Kodokan-Kulturgesellschaft als Leitsätze. Seiryoku-zenyo ist die Kurzform von „Seiryoku saizen katsuyo“: die Kräfte von Körper und Geist zum Erreichen eines Ziels bestmöglich einzusetzen, nicht nur in Angriff und Verteidigung, sondern in allen menschlichen Tätigkeiten. Jita-kyoei bedeutet, nicht nur das eigene Gedeihen anzustreben, sondern durch gegenseitiges Helfen und Nachgeben in Harmonie gemeinsam zu gedeihen. Beide Prinzipien gelten dem Kodokan als Grundprinzipien des Kodokan-Judo und als „Urteilsmaßstab und Verhaltensnorm des Judoka“; die englische Kodokan-Seite fasst sie als „Maximum Efficient Use of Mind and Body“ und „Mutual welfare and benefit“. Davon zu unterscheiden ist der achtteilige „Moral Code“ der IJF (Höflichkeit, Mut, Aufrichtigkeit, Ehre, Bescheidenheit, Respekt, Selbstbeherrschung, Freundschaft), der laut IJF nicht von Kano verfasst, sondern 1985 in Frankreich formalisiert wurde.
- Höflichkeit – Behandle Trainingspartner und Wettkampfgegner wie Freunde und zeige Respekt durch eine ordentliche Verbeugung.
- Hilfsbereitschaft – Hilf deinem Partner, Techniken richtig zu lernen; sei ein guter Uke; unterstütze Neue.
- Ehrlichkeit – Kämpfe fair, ohne unsportliche Handlungen und ohne Hintergedanken.
- Ernsthaftigkeit – Sei im Training und Wettkampf konzentriert bei der Sache und übe fleißig mit positiver Einstellung.
- Respekt – Sei höflich zu Lehrenden und Älteren und achte die, die vor dir Judo betrieben haben.
- Bescheidenheit – Spiele dich nicht in den Vordergrund, übertreibe deine Erfolge nicht und miss dich an Besseren.
- Wertschätzung – Erkenne die Leistung anderer an, wenn sie ihr Bestes geben.
- Mut – Gib im Randori und Wettkampf alles und gib nie auf, auch gegen Stärkere.
- Selbstbeherrschung – Sei pünktlich und diszipliniert und verliere auf der Matte nie die Fassung, auch bei vermeintlicher Ungerechtigkeit.
- Freundschaft – Wer diese Werte lebt und alle Menschen achtet, findet im Judo von selbst Freunde.
- Seiryoku-zenyo (精力善用) – bester Einsatz der Kräfte von Körper und Geist für ein gutes Ziel; anwendbar auf alle Lebensbereiche (Kodokan).
- Jita-kyoei (自他共栄) – gegenseitiges Helfen und Nachgeben, damit alle gemeinsam gedeihen (Kodokan).
- Beide Prinzipien verkündete Kano 1922 als Leitsätze; sie sind „Urteilsmaßstab und Verhaltensnorm des Judoka“ (Kodokan).
- Kanos Vermächtnis (遺訓): Judo ist der Weg, die Kräfte von Körper und Geist am wirksamsten zu nutzen; letztes Ziel ist, sich selbst zu vervollkommnen und der Welt zu nützen.
- DJB-Plakat 8. Kyu: Ukemi braucht Mut und Selbstbeherrschung; die Begrüßung verdeutlicht Respekt, Wertschätzung, Höflichkeit und Ernsthaftigkeit; Partnerarbeit braucht Respekt und Hilfsbereitschaft.
- DJB-Kyu-Programm: Niveaustufe 1 – Werte an einfachen Beispielen beschreiben; Niveaustufe 2 – Transfersituationen im Judo und Alltag beschreiben.
Geschichte & Hintergrund
Kano Jigoro formulierte 1915 in „Judo hongi“ das Prinzip, in jeder Situation die wirksamste Methode zu wählen, und ging damit über das ältere Jujutsu-Prinzip „Ju no ri“ (Nachgeben, um zu siegen) hinaus. 1922 gründete er die Kodokan-Kulturgesellschaft (講道館文化会) und stellte ihr die beiden Leitsätze Seiryoku-zenyo und Jita-kyoei voran. Seine Definition des Judo als „Weg, die Kräfte von Körper und Geist am wirksamsten zu nutzen“ wurde nach seinem Tod 1938 als „Vermächtnis des Meisters Kano“ bezeichnet und hängt im großen Dojo des Kodokan. Der achtteilige Moral Code der IJF entstand laut IJF 1985 in Frankreich unter Leitung von Bernard Midan, inspiriert von Kanos Lehren, dem Bushido und einem älteren Ehrenkodex des französischen Collège National des Ceintures Noires.
Die Entstehung der zehn DJB-Judowerte (wann und von wem formuliert) ist auf judobund.de nicht dokumentiert; die DJB-Werteseite nennt weder Kano noch die beiden Kodokan-Prinzipien. Der Bezug zwischen DJB-Werten und Kodokan-Prinzipien ist deshalb als Einordnung formuliert, nicht als DJB-Aussage. Die Kodokan-Angaben wurden aus dem japanischen Lehrtext übersetzt.
Quellen
Nur offizielle Verbandsquellen (Kodokan, IJF, DJB, nationale Verbände).
- Judowerte – Deutscher Judo-Bund e.V. (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Die zehn Judowerte des DJB mit Erläuterungen (Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit, Ernsthaftigkeit, Respekt, Bescheidenheit, Wertschätzung, Mut, Selbstbeherrschung, Freundschaft).
- Judowerte in leichter Sprache – Deutscher Judo-Bund e.V. (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Kindgerechte Kurzfassungen der zehn Werte (Grundlage für beschreibung_kinder).
- Anforderungen für Kyu-Grade im DJB (Stand 17. Februar 2025, V2) – Deutscher Judo-Bund e.V. (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Judo-Werte als Prüfungsvoraussetzung: Niveaustufe 1 und 2 (Wissen), 8. Kyu Punkt 1 „Judo-Werte … allgegenwärtig und unerlässlich“.
- Plakat Kyu-Graduierungssystem 8. Kyu (weiß-gelb) – Deutscher Judo-Bund e.V. (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Zuordnung von Werten zu Ukemi (Mut, Selbstbeherrschung), Rei (Respekt, Wertschätzung, Höflichkeit, Ernsthaftigkeit) und Partnerarbeit (Respekt, Hilfsbereitschaft).
- 昇段試験用テキスト「講道館柔道」(Kodokan-Lehrtext für Dan-Prüfungen, Fassung 19.06.2026), Kapitel 1.2 und 1.3 „精力善用・自他共栄“ – Kodokan Judo Institute (公益財団法人講道館) (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Definition und Herkunft von Seiryoku-zenyo und Jita-kyoei (1922, Kodokan-Kulturgesellschaft), Kanos Vermächtnis (遺訓), „Judo hongi“ 1915, Grundprinzipien als Verhaltensnorm.
- The purpose of Judo (Teachings of KANO Jigoro Shihan) – Kodokan Judo Institute (englische Website) (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Englische Fassung der Prinzipien: „Maximum Efficient Use of Mind and Body“ und „Mutual welfare and benefit“; Judo als Weg, Körper zu stärken, Geist zu schulen und der Gesellschaft zu dienen.
- Judo values – The Moral Code – International Judo Federation (abgerufen 2026-10-11)Belegt: Acht Werte des IJF Moral Code; Entstehung 1985 in Frankreich (Bernard Midan), nicht von Kano verfasst; Kanos Prinzipien Seiryoku Zenyo und Jita Kyoei als davon getrennt.