Glossar wichtiger Prüfungsbegriffe

Die Fachsprache des Judo ist japanisch und dadurch international weitgehend einheitlich; der DJB folgt in seinem Kyu-Programm ausdrücklich dem Kodokan/IJF-Standard der Bezeichnungen. Für Prüfungen sind vor allem drei Gruppen von Begriffen wichtig: die Rollen und Übungsformen (Tori, Uke, Kata, Randori, Uchi-komi, Shiai), die Bewegungsgrundlagen (Shizentai, Jigotai, Kumi-kata, Tai-sabaki, Kuzushi, Tsukuri, Kake, Ai-yotsu, Kenka-yotsu) und die Kommandos und Wertungen des Kampfrichters (Hajime, Mate, Sore-made, Ippon, Waza-ari, Osaekomi, Toketa). Der Kodokan definiert die Bewegungsgrundlagen in seinem Lehrtext: Shizentai ist die natürliche, aufrechte Grundhaltung mit etwa einer Fußlänge Abstand zwischen den Fersen und gleich verteiltem Gewicht; Jigotai die Verteidigungshaltung mit breiterem Stand, gebeugten Knien und gesenkter Hüfte; beim Kumi-kata in rechter Shizentai fasst die rechte Hand das linke Revers und die linke Hand den rechten Außenärmel des Partners; Tai-sabaki ist das Drehen des Körpers in acht Grundformen; Kuzushi das Brechen des Gleichgewichts mit dem ganzen Körper in acht Richtungen (Happo-no-kuzushi); Tsukuri die Vorbereitung von Partner und eigenem Körper; Kake die Ausführung der Technik. Die Kampfrichterbegriffe sind in den DJB-Kampfregeln auf Grundlage der IJF-Regeln festgelegt und im dortigen Glossar übersetzt. Die Einzelerklärungen stehen in den Schlüsselpunkten.

  • Tori (取) – Der Judoka, der die Technik ausführt; im DJB-Glossar „Angreifer“.
  • Uke (受) – Der Judoka, der die Technik empfängt bzw. geworfen wird; im DJB-Glossar „Angegriffener“.
  • Kuzushi (崩し) – Das Brechen des Gleichgewichts des Partners vor dem Wurf, mit dem ganzen Körper in acht Richtungen (Happo-no-kuzushi).
  • Tsukuri (作り) – Die Vorbereitung: den Partner in eine wurfgünstige Lage bringen und den eigenen Körper günstig positionieren.
  • Kake (掛け) – Die eigentliche Ausführung der Technik, nachdem Kuzushi und Tsukuri abgeschlossen sind.
  • Randori (乱取) – Freies Üben, bei dem beide frei angreifen und verteidigen, mit Respekt vor dem Partner und ohne Verletzung; der DJB versteht es als Üben in offenen Situationen, nicht als „Kampf um den Sieg“.
  • Uchi-komi (打込) – Wiederholungsübung einer Technik mit dem Partner (IJF Academy: „repetition (uchikomi)“).
  • Kata (形) – Üben nach vorher festgelegten Abläufen und Techniken, um die Prinzipien von Angriff und Verteidigung zu lernen; der DJB versteht Kata im Kyu-Bereich als Üben in geschlossenen Situationen.
  • Shiai (試合) – Der Wettkampf auf der Matte, in dem Sieg oder Niederlage durch Würfe, Bodentechniken oder Strafen entschieden und von Kampfrichtern beurteilt werden.
  • Hajime (始め) – „Anfangen“: Kommando des Kampfrichters zum Beginn oder zur Fortsetzung des Kampfes.
  • Mate / Matte (待て) – „Warten“: Kommando des Kampfrichters, das den Kampf zeitweise unterbricht.
  • Sore-made (それまで) – „Das ist alles / Ende“: Kommando zum Ende des Kampfes.
  • Ippon (一本) – Der volle Punkt, der den Kampf beendet: Wurf mit Kraft, Schnelligkeit, auf den Rücken und Kontrolle bis zum Ende der Landung; außerdem 20 Sekunden Haltegriff oder Aufgabe des Gegners.
  • Waza-ari (技あり) – „Fast Ippon“: halbe Wertung; zwei Waza-ari ergeben Ippon (Waza-ari-awasete-ippon); Haltegriff von 10 bis 19 Sekunden.
  • Osaekomi (抑込) – Haltegriff und zugleich die Ansage des Kampfrichters, wenn Uke von der Seite, von hinten oder von oben kontrolliert wird und mit dem Rücken oder oberen Rücken auf der Matte liegt.
  • Toketa (解けた) – „Haltegriff gelöst“: Ansage, wenn Uke sich aus dem Osaekomi befreit hat.
  • Ai-yotsu (相四つ) – Gleiche Auslage: Beide Judoka greifen mit derselben Seite (beide rechts oder beide links).
  • Kenka-yotsu (喧嘩四つ) – Gegengleiche Auslage: Ein Judoka greift rechts, der andere links, sodass sie sich spiegelbildlich gegenüberstehen.
  • Tai-sabaki (体捌き) – Körperdrehung bzw. Richtungswechsel des Körpers; der Kodokan unterscheidet acht Formen (Mae-sabaki und Ushiro-sabaki um 90 Grad, Mae-mawari-sabaki und Ushiro-mawari-sabaki um 180 Grad, jeweils rechts und links).
  • Shizentai (自然体) – Natürliche Grundhaltung: aufrecht, Fersen etwa eine Fußlänge auseinander, Gewicht gleich verteilt; Varianten Shizen-hontai, Migi- und Hidari-shizentai.
  • Jigotai (自護体) – Verteidigungshaltung: Füße breiter als bei Shizentai, Knie gebeugt, Hüfte gesenkt; Varianten Jigo-hontai, Migi- und Hidari-jigotai.
  • Kumi-kata (組み方) – Der Griff bzw. die Art, den Judogi zu fassen; in rechter Shizentai rechte Hand am linken Revers, linke Hand am rechten Außenärmel des Partners.
  • Ukemi (受身) – Fallübung / Falltechnik (DJB-Glossar: „Fall (-übung)“).
  • Rei (礼) – Gruß, Verbeugung.
  • Maitta (参った) – „Ich gebe auf“: Aufgabe durch zweimaliges Abschlagen oder Zuruf.
  • Yuko (有効) – „Fast Waza-ari“: kleine Wertung; Haltegriff von 5 bis 9 Sekunden.
  • Shido (指導) – Ermahnung (leichter Regelverstoß).
  • Hansoku-make (反則負け) – Disqualifikation (schwerer Regelverstoß oder dritter Shido).
  • Kiken-gachi (棄権勝ち) – Sieg durch Aufgabe des Gegners.
  • Sono-mama (そのまま) – „Nicht bewegen“: Einfrieren der Situation am Boden; Yoshi (よし) – „Weiter“.
  • Nage-waza (投技) – Wurftechniken; Katame-waza (固技) – Kontroll-/Bodentechniken; Ne-waza (寝技) – Bodenkampf; Tachi-waza (立技) – Standkampf.

Geschichte & Hintergrund

Kano Jigoro zerlegte die Techniken nach Angaben des Kodokan in Kuzushi, Tsukuri und Kake und erklärte sie in Worten, sodass Techniken, die zuvor nur Begabte erfassen konnten, für alle verständlich wurden. Die Begriffe Kata und Randori als Übungsformen gehen ebenfalls auf die Gründung des Kodokan-Judo zurück: Gefährliche Techniken wurden auf Kata beschränkt, das tägliche Üben fand als Randori statt.

Nage-komi wurde nicht aufgenommen, weil in den zulässigen Quellen (Kodokan-Lehrtext, Kodokan-Definitionen, IJF-Regeln, DJB-Kyu-Programm, DJB-Kampfregeln, IJF-Academy-Glossar) keine Definition gefunden wurde. Die Erklärung zu Uchi-komi stützt sich auf die beiläufige Verwendung im IJF-Academy-Glossar („repetition (uchikomi)“). Kanji-Schreibweisen für Ai-yotsu, Kenka-yotsu, Sore-made, Toketa, Maitta, Yuko und Sono-mama sind übliche Schreibungen und nicht aus den zitierten Quellen übernommen. Die Übersetzungen der Kampfrichterbegriffe folgen dem Glossar der DJB-Kampfregeln.

Quellen

Nur offizielle Verbandsquellen (Kodokan, IJF, DJB, nationale Verbände).

  1. 昇段試験用テキスト「講道館柔道」(Kodokan-Lehrtext für Dan-Prüfungen, Fassung 19.06.2026), Kapitel 1.8, 2, 4 und 6 – Kodokan Judo Institute (公益財団法人講道館) (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: Definitionen von Kata, Randori, Shiai, Shizentai (mit Varianten), Jigotai, Kumi-kata, Tai-sabaki (acht Formen), Kuzushi (Happo-no-kuzushi), Tsukuri, Kake, Tori/Uke (技を掛ける者 / 技を受ける者), Ukemi.
  2. IJF/Kodokan Classification of Judo (IJF Academy Level 1; Terminologie nach Kodokan New Japanese-English Dictionary of Judo) – British Judo Association / IJF Academy (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: Tori, Uke, Kumikata, Aiyotsu, Kenka-yotsu, Tai-sabaki, Ukemi, Kuzushi, Tsukuri, Kake; Verwendung von „repetition (uchikomi)“.
  3. Kampfregeln des Deutschen Judo-Bund e.V. auf der Grundlage der IJF-Regeln, Stand März 2026 (Art. 6, 11, 13, 14, 15, 17, Glossar) – Deutscher Judo-Bund e.V. (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: Hajime, Mate, Sore-made, Ippon (vier Kriterien, 20 Sekunden, Aufgabe), Waza-ari, Yuko, Osae-komi, Toketa, Sono-mama, Yoshi, Shido, Hansoku-make, Kiken-gachi, Maitta, Rei, Ukemi, Kumi-kata, Tori, Uke, Nage-waza, Ne-waza (Glossar-Übersetzungen).
  4. IJF Sport and Organisation Rules – Refereeing Rules, Version 21.01.2026 (Art. 9, 11, 13, 14, 15, 17) – International Judo Federation (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: Englischer Originaltext: Hajime (Begin), Mate (Wait), Sore-made (Finished), Ippon-Kriterien, Osaekomi-Bedingungen, Toketa, Osaekomi-Zeiten (5–9 s Yuko, 10–19 s Waza-ari, 20 s Ippon).
  5. Anforderungen für Kyu-Grade im DJB (Stand 17. Februar 2025, V2) – Deutscher Judo-Bund e.V. (abgerufen 2026-10-11)
    Belegt: Kodokan/IJF-Standard der Nomenklatur; DJB-Verständnis von Kata (geschlossene Situationen) und Randori (offene Situationen); Rollen Tori und Uke; Kuzushi/Tsukuri/Kake ab 6. Kyu; Ai-yotsu und Kenka-yotsu ab 2. Kyu.

Inhalte nach dem Kyu-Graduierungssystem des Deutschen Judo-Bundes e.V. (Plakate, Stand 2024). Videos und Illustrationen: © Deutscher Judo-Bund e.V., eingebunden zu Lernzwecken.

Beschreibungen und Geschichte stützen sich ausschließlich auf offizielle Quellen (Kodokan, IJF, DJB und nationale Verbände). Die Quellen stehen auf jeder Technikseite.

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